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prāṇāyāma – Die Atemübungen des Yoga

Hallo und Namaste du Liebe*r,

heute teile ich das, was ich von prāṇāyāma weiß und für einen ersten Eindruck als wichtig empfinde, mit dir. Wir schauen uns die Atemübungen des Yoga genauer an und steigen in diesem Blogeintrag in die Theorie ein.

prāṇā steht für die Energie, prāṇā ist die Grundlage von allem, was existiert. āyāma kann man mit „ausdehen“ übersetzen.

Mit prāṇāyāma werden also Energien freigesetzt und/ oder Blockaden gelöst.

„Die Energie fließt dahin, wo die Aufmerksamkeit ist.“

Helga Simon-Wagenbach

In unserer Tradition arbeiten wir uns vom Groben ins Feine vor. Das bedeutet, dass zuerst āsanas (für den Körper) geübt werden, die Atemübungen, das prāṇāyāma, gelten als Mittelglied, bevor die Übungspraxis dann mit der noch „feineren“ Meditation endet. Die āsana-Praxis bereitet den Atem bereits auf das Üben von prāṇāyāma vor.

Was mir vor der Ausbildung zur Yogalehrerin BDY/EYU nicht klar war ist, dass der Atem aus vier Abschnitten besteht. Obwohl ich als Kind Asthma hatte und mich viel mit den Themen Lungen, Bronchien, Einatmen und Ausatmen beschäftigen musste, habe ich mir darüber nie Gedanken gemacht.

  • Ausatmen
  • Atemleere
  • Einatmen
  • Atemfülle

Alle vier Phasen sind miteinander verbunden, vergleichbar mit den Jahreszeiten, die wir hierzulande Jahr um Jahr erleben. Alles ist ein Kreislauf!

„Wer die äußere Realität, Wahrnehmung oder Reaktion verändern will, muss innen anfangen, mit regelmäßigem Üben von prāṇāyāma und Meditation!“

Helga Simon-Wagenbach

Während die Einatmung einfach so passiert, ist die Ausatmung ein aktiver Prozess. Das ist der Teil, den ich als Kind schon schmerzlich erfahren musste. Denn bei mir war es immer viel schwieriger ruhig auszuatmen, als den Einatem passiv geschehen zu lassen. Ich hatte immer Probleme damit, die Luft aus mir rauszubekommen 🙁

Die Ausatmung steht für das Loslassen, die Einatmung steht für das Aufnehmen. Durch die Ausatmung entsteht Leichtigkeit, während die Einatmung schwer macht. So geben wir mit dem ausatmen das ab, was uns schwer fällt – und nehmen mit dem einatmen neue Energie auf. Wir geben aktiv und empfangen passiv.

Dies ist ein schönes Beispiel, für Geben und Nehmen, das sich auch ins Leben allgemein übertragen lässt!

Der Ausatem bewegt sich von untererem Bauch, über den oberen Bauch bis ihn zur Brust. Sein Zentrum liegt jedoch im Bauchraum. Mit Hilfe der Bauchmuskaltur und des Zwerchfells kannst du ganz leer werden. Auf diese Weise ist der Atem am intensivsten und macht viel Platz für eine vollständige und bewusste Einatmung. Vor allem vorbeugende āsanas werden mit der Ausatmung geübt.

Der Fokus der Einatmung liegt im Brustbereich, welcher sich nach allen Seiten auszudehnen scheint. Bei den āsanas sind es beispielsweise Rückbeugen, welche in Verbindung mit der Einatmung stehen. Hast du schon mal probiert dich mit voller Lunge und vollem Bauch nach vorne zu beugen? Nein? Gut so! Lass es lieber 🙂

Doch auf die Atemfülle (nach der Einatmung) und Atemleere (nach der Ausatmung) sind nicht zu unterschätzen!

So beschreibt meine Lehrerin Helga Simon-Wagenbach in ihrem Buch „Atmen“ (2019, topos), dass nur durch das „Dazwischen“ etwas Neues ereignen kann. Dieser Veränderungsprozess beginnt, laut Helga, ganz klein und kaum wahrnehmbar, mit einem bewussten Atmen.

„Mit jedem bewussten Atemzug fängt es an, vertieft sich über die Meditation und vollzieht dann die Wirkung im Alltag von innen nach außen.“

Helga Simon-Wagenbach

Werfen wir einen Blick in das Yogasutra und schauen, was uns Patañjali in 2.50 sagen will bzw. wie Sriram das übersetzt hat 🙂

bāhya-ābhyantara-sthambha-vṛttiḥ deśa-kāla-sakhyābhiḥ paridṛṣṭaḥ dīrgha-sūkṣmaḥ

„prāṇāyāma wird geübt mit umsichtigem Einfühlen in die Ausatmung, die Einamtung und das Anhalten, die Körpergegend, in der sich die Atmung abspielt, die Länge jeder Atemphase und in die Anzahl der Atemzüge. Dabei wird der Atem lang und zugleich sanft geführt.“

R. Sriram – Patañjali – Das Yogasutra – Theseus – 2006

Das ist, wie ich es in der Einleitung bereits erwähnt habe, nun alles sehr technisch und theoretisch. Doch auch in der Fahrschule, wirst du nicht gleich hinters Steuer gesetzt und in den Berufsverkehr geschickt. Hier gibt es auch erst einmal gähnend langweilige Theorie, bevor es mit dem Praxisunterricht los geht.

Doch sei für einen Moment mal ganz ehrlich zu dir selbst: Wann hast du das letzte Mal bewusst geatmet? Damit meine ich nicht einmal aus und wieder ein. Vielmehr denke ich hier an mindestens fünf Atemzüge. Sei es staunend vor einer schöner Winterlandschaft, mit Blick auf dem Mond, oder beim Streicheln deines Haustieres.

Vielleicht ist JETZT der richtige Zeitpunkt dafür, dass du es dir bequem machst und fünf ganz bewusste Atemzüge, mit allen vier Phasen nimmst?

„Practice prāṇāyāma whenever you can!“

Sri T. Krishnamacharya

Ich atme mittlerweile immer dann, wenn ich mir einen Tee koche, wenn ich beim arbeiten merke, dass ich Anspannung im Körper fühle, wenn ich mit meinem Hund spazieren stehe und er mal wieder nicht weiter gehen mag, wenn ich in einem schwierigen Gespräch verwickelt bin, wenn ich im Stau stehe, wenn ich an einer roten Ampel warte. Die Liste könnte ich noch ewig fortführen. Überleg dir doch mal in welchen Situationen deines Lebens du für dich Atemübungen oder Atempausen oder Zeitinseln einbauen kannst? Und bevor wir uns dem Praxisunterricht widmen, nimmst du das als kleine Hausaufgabe für den Moment mit. Viel Spaß wünsche ich dir beim Experimentieren!

Nun hast du eine allgemeine Übersicht über das große Thema prāṇāyāma erhalten! Ich hoffe du hattest beim Lesen genauso viel Freude, wie ich beim Schreiben des Artikels. Lass mich gerne in den Kommentaren wissen, ob etwas Spannendes oder Neues für dich dabei war.

Ich arbeite derzeit an zwei weiteren Artikeln, die ich hier bald veröffentlichen werde. Im einen erkläre ich dir einfache Atemübungen, im anderen beschäftigen wir uns dann detailliert mit nāḍī śodhana – der Wechselatmung. Dies als kleine Vorschau 🙂

Falls du mal eine Stunde mit mir ausprobieren – und somit direkt und privat prāṇāyāma üben magst, oder wenn du Fragen zu diesem Artikel hast: Schreib mich gerne an!

Sonnengrüße durch den Winterhimmel – und bleibt bitte gesund und munter!
Deine Claudi

Disclaimer: Dies ersetzt keinesfalls eine Yogastunde mit Yogalehrer*in!!! Es handelt sich hierbei lediglich um die Beschreibung meiner liebsten Körperhaltungen des Yoga. Für etwaige Übungen wird keinerlei Haftung übernommen. Es werden keine ärztlichen und heilpraktikerlichen Leistungen erbracht. Das Dienstleistungsangebot kann die Tätigkeit eines Arztes, Heilpraktikers oder Psychotherapeuten und Physiotherapeuten nicht ersetzen.

Von veganlebenyoga

Ich bin Mentorin für veganes Leben und Yogalehrerin BDY/EYU mit jeweils über zehn Jahren Übungs-Erfahrung. In Telefonaten oder Videocalls stehe ich dir bezüglich des Veganismus mit Rat, Tat und Herz zur Seite. Yoga-Privatstunden üben wir gemeinsam online. Schick mir gerne eine E-Mail, wenn du VEGAN oder YOGA mehr Platz in deinem LEBEN geben möchtest!

2 Antworten auf „prāṇāyāma – Die Atemübungen des Yoga“

Liebe Claudi,
Schön wie du alles beschreibst und mit persönlichen Beispielen füllst. So fällt es leichter die Atemachtsamkeit in den eigenen Alltag zu bringen.
Vielen Dank!
Deine Betina

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