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Ein Hoch auf die Leichtigkeit

Namaste du Liebe*r,

„Man hat’s nicht leicht – aber leicht hat’s einen.“, ist ein Spruch mit dem ich mich noch nie wirklich identifizieren konnte.

Er drückt so sehr auf mich ein, weil er doppelt negativ ist. Zum einen wird davon ausgegangen, dass man es nicht leicht hat. Als ob das nicht schon genug wäre, folgt gleich hinterher der nächste Hammer mit der Aussage, dass es einen leicht erwischen kann.

Ach du meine Liebe! Das geht so mal gar nicht!! Gerade zum Jahresbeginn sollte mehr Zuversicht an den Tag gelegt werden!!! Grund genug ein Hoch auf die Leichtigkeit auszurufen!

Wer sagt denn überhaupt, dass alles schwer sein muss? Anstrengend? Ist das nicht vielleicht ein bisschen zu viel selbstzerstörende Prophezeiung? Hatten wir alle im Jahr 2020 nicht genug Veränderungen und Neuigkeiten mit denen wir irgendwie klar kommen mussten? Reicht es nicht schlichtweg? Aber was tun? Nun?

Wie erreicht man das Gegenteil davon – die so genannte selbsterfüllende Prophezeiung?

Auf welche Weise kann ich mich in meinem Leben leichter fühlen? Was lässt Ängste schmälern und einen liebevollen Zugang einfacher werden? Wo fehlt mir Leichtigkeit in meinem Leben? Wo bin ich unsicher? In welchem Bereich herrscht ein Mangel an Stabilität? Gibt es Themen bei denen es mir an (Selbst)Sicherheit mangelt? Was kann ich aktiv tun um meine Gedanken umzugestalten?

Das sind Fragen, die mir heute Morgen, am 01. Januar, in aller Frühe durch den Kopf geschossen sind. Die Antwort kam, woher auch immer, in Form des Yogasutra 2.46 von Patañjali:

sthirasukham āsanam

Die ideale Haltung ist stabil und leicht zugleich“

R. Sriram erläutert dies in seiner Übersetzung (erschienen 2006 bei Theseus):

„Das Wohlbefinden ist bei kraftvoller, jedoch entspannter Körperhaltung am größten.“

R. Sriram

Aha-Effekt! Ich fühle mich also dann wohler, wenn ich kraftvoll und gleichzeitig entspannt bin! Leichtigkeit kann also durch Stabilität entstehen.

Meiner bisherigen Erfahrung nach hilft es rein gar nix, vor doofen Themen wegzulaufen, sie in eine imaginäre Schublade zu packen und nicht mehr hinzuschauen. Bisher bin ich immer besser damit gefahren, mich mit negativen Themen auseinander zu setzen. Richtig tief reinzugehen, auch wenn das bedeuten kann, dass es mir für diesen Moment schlechter geht. Auf diese Weise entsteht Heilung statt Verdrängung.

Ich mag das Bild, dass ein Bärchenpflaster zwar die Wunde des kleinen Schnitts am Finger verdeckt – dennoch ist sie darunter noch immer da und nicht geheilt. Das passiert dann, wenn ich Luft hinlasse, sie anschaue und damit umgehen lerne. Mir gibt es Kraft zu wissen, dass ich aktiv an meiner Heilung beteiligt bin und mich nicht passiv zurück lehne, vielleicht sogar eine gewisse Ignoranz an den Tag lege.

Parallel dazu ist mir wichtig, dass ich mein Ziel nicht aus den Augen lasse, dabei aber entspannt bleibe. Ich kann meine kleine Wunde am Finger mehrmals täglich anschauen und ihr mitteilen, dass sie bitte verheilen möge. Ob es dadurch schneller geht? Vermutlich nicht.

Wenn ich nun den Bogen zurück auf die Yogamatte spanne, wird mir schnell bewusst, dass auch das anstrengendste āsana (Körperhaltung) dann einfach/ leicht wird, wenn ich es stabil, voller Kraft aber eben entspannt und mit Leichtigkeit übe. Dies wird möglich durch das schrittweise Aufbauen einer Stunde. Um hier noch ein bisschen mehr Sanskrit einzubauen: wir üben in „vinyāsa krama“. Der Körper wird nach und nach, Stück für Stück darauf vorbereitet.

Genau das ist auch für mich die Lösung wenn es darum geht, mehr Leichtigkeit in mein Leben einzuladen: Stück für Stück, eins nach dem anderen. Nicht hudeln sondern immer mit der Ruhe und vor allem ganz viel Liebe vorgehen.

Doch wie kann ich, aufgrund dieser Erkenntnisse, nun meine Prophezeiung von selbstzerstörend in selbsterfüllend umwandeln?

Vermutlich geht es gar nicht darum zu sagen: „Heute ist der 10. Januar und ab heute ist immer alles leicht!“

Für mich reicht es heute schon aus, dass ich den Wunsch nach mehr Leichtigkeit gesät habe. Dass ich gelernt habe, dass ich für mehr Leichtigkeit in meinem Leben die Bahn dafür frei machen darf. Dass ich aufhöre mir selbst Steine in den Weg zu legen durch negative Aussagen, voller Angst und Verwirrung. Ich möchte aufhören damit zu denken, dass dies und das eh nicht klappt. Keinerlei Lust habe ich mehr darauf, mir meine Zukunft aufgrund meiner Vergangenheit zu verbauen.

Ab heute singe ich ein Liebeslied auf die Leichtigkeit. Ich lade sie mit offenem Herzen in mein Leben ein und erlaube ihr einen großen Platz in meinem Alltag einzunehmen.

Hier eine Auflistung, wie ich das Vorhaben umsetzen möchte:

  • Gedanken der Angst durch die der Liebe ersetzen.
  • Wenn ich in der Vergangenheit festhänge: Tief durchatmen und mich zurück ins Jetzt holen.
  • Zuversicht etablieren.
  • Mir aktiv erlauben, dass es leicht sein darf.
  • Überlegen, ob andere Menschen schon in der gleichen Lage waren wie ich es bin.
  • Diese Menschen und Freunde um Ratschläge und ihre Unterstützung bitten.
  • Mir Dinge lernen oder beibringen lassen, in denen ich mich ängstlich fühle, oder bei denen es an Leichtigkeit mangelt.
  • Denn: Wissen bringt Sicherheit.
  • Darüber nachdenken, ob ich aus alten, ähnlichen Situationen schon einmal etwas gelernt habe. Und wenn ja wie ich damit umgegangen bin.
  • Dinge tun die mir Kraft geben und mich wohlfühlen lassen.
  • Aktiv so viel Entspannung wie möglich in mein Leben lassen.
  • Bewusst in die aktuellen Gefühle reingehen. Auch wenn sie negativ sind.
  • Richtig baden in all den Emotionen.
  • Mir die Frage stellen ob ich Bärchenpflaster (=V erdrängung) oder Luft (= Heilung) wählen möchte.
  • Mein Ziel (Leichtigkeit) nicht aus den Augen verlieren, dabei aber entspannt bleiben.
  • Stück für Stück vorgehen.
  • All das mit Ruhe und extra viel Liebe.

Es wäre mir eine Freude, wenn dich diese Gedanken inspirieren und auch du dir deine ganz persönliche Liste baust.

Sonnengrüße durch den Winterhimmel – und bleibt bitte gesund und munter!
Deine Claudi

Von veganlebenyoga

Ich bin Mentorin für veganes Leben und Yogalehrerin BDY/EYU mit jeweils über zehn Jahren Erfahrung. In Telefonaten oder Videocalls stehe ich dir bezüglich des Veganismus mit Rat, Tat und Herz zur Seite. Yoga-Privatstunden üben wir gemeinsam online. Ich freu mich auf deinen Anruf oder deine E-Mail.

2 Antworten auf „Ein Hoch auf die Leichtigkeit“

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