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Alles was ich dir über Leder erklären kann

Hallo und Namaste du Liebe*r,

aus dem riesengroßen Bereich des Veganismus, schreibe ich heute über ein Thema, welches mir wirklich sehr nahe geht und mich immer wieder entsetzt und beschäftigt.

In diesem Blogeintrag teile ich alles, was ich dir über die Herstellung von Leder weiß, mit dir!

Früher dachte ich immer, dass Leder ein Abfallprodukt oder Nebenprodukt aus den Schlachthöfen hierzulande ist. Ich war zu meinen vegetarischen Zeiten fest davon überzeugt, dass die Kühe für meine Handtaschen, Schuhe, Geldbeutel, Reitutensilien, … sowieso sterben – wegen der Fleischesser.

Kurz nachdem ich angefangen habe, mich mit dem Veganismus zu beschäftigen, wurde ich „leider“ eines besseren belehrt. Manchmal ist es echt verrückt. Es gibt kurze Momente, da denke ich an das absolut unbeschwerte Leben als 27-jährige zurück. Als ich mich noch null um Menschenrechte oder die Umwelt gekümmert hab. Als ich der festen Überzeugung war, dass Kühe gerne Milch geben und, dass Käse vegetarisch ist. Die vegetarische Seifenblase ist seit über zehn Jahren zerplatzt und ich bereue das kein Bisschen. Dennoch gibt es eben diese Augenblicke, in denen ich kurz an die Zeit denke, als ich meine Augen noch verschlossen hatte und aktiv weggeschaut habe.

Bezüglich Leder hat mir eine Dokumentation namens „Earthlings“ die Augen geöffnet. Später dann noch ein Abend mit Animals United e.V. – dazu empfehlen ich dir, die Folge #085 meines Podcasts „Friede Freude Süßkartoffel“ anzuhören.

Doch all das will hier und heute schriftlich festgehalten und geteilt werden. Weil ich es viel zu wichtig finde, um das Thema nicht erneut aufzugreifen. Triggerwarnung: Es wird nicht schön, um alles über die Herstellung von Leder wirklich zu erklären, muss ich leider mit Wörtern Bilder malen, die schmerzen, verletzen und weh tun 🙁 Doch ist das kein Vergleich dazu, was eine Kuh in Asien mitmacht, denke ich 🙁

Wie auch beim Thema Kuhmilch ist es mir wichtig darauf hinzuweisen, dass es bestimmt Lederfabriken gibt, in denen das anders abläuft als, wie ich es gleich beschreiben werde. Fakt ist aber, dass die wenigstens Konsument*innen auf biologisches Leder, welches von Menschen unten fairen Arbeitsbedingungen hergestellt wurde, zurück greifen. Ähnlich wie beim Thema Milch, geht es hier um die Hülle und Fülle an Waren, die das Etikett „Made in … / nicht EU“ tragen.

Fangen wir mal mit etwas Einfachem und der eher leichteren Kost an, um ein Vorurteil gleich mal aus dem Weg zu räumen 🙂

Ich kenne Menschen die meinen, dass vegane Schuhe die Hölle für die Umwelt sind, da sie aus „Plastik“ hergestellt werden. Das stimmt aber so nicht!

Es ist immer teurer und immer umweltschädlicher den Weg über das Tier zu gehen!!! Das ist das Gleiche mit Burgern oder Milch. Tiere essen, trinken und pupsen nun einmal. Eine Kuh trinkt beispielsweise über 115 – 150 Liter Wasser und isst 64 – 68 kg Getreide – täglich!

Davon abgesehen, ist es bei Leder aus Kuh aber so, dass es in Masse mit Chemikalien verseucht ist. Wirklich bis zum geht nicht mehr! Zwischen „Die Haut ist auf der Kuh“ und „Die Haut ist an meinem Fuß in Form eines Schuhs – oder an meiner Schulter in Form einer Tasche“ liegen eine Menge an Arbeitsschritten, wie beispielsweise bleichen oder chloren. Hierfür werden unter anderem Metalle benötigt. Leder auf der Haut zu tragen ist also alles andere als gesund! Bitte mach dir das bewusst.

Vom Thema Umwelt kommen wir dann gleich zu den Menschenrechten. Hierzu gibt es die, sehr empfehlenswerte, Doku „Gift auf unserer Haut“. Denn gebleicht und gechlort wird nicht hierzulande unter Arbeitsbedingung, welche von unabhängigen Verbänden oder ähnlich kontrolliert werden. Das Leder kommt hauptsächlich aus Indien bzw. Bangladesch.

Bilder von Kindern, die Barfuß in Chrom treten und die Lederfetzen mit bloßen Händen anfassen gehen mir sehr nahe.

Nachdem wir uns also mit den Themen Umwelt und Menschen beschäftigt haben, wird es nun Zeit einen Blick auf die Tierrechte (und somit erneut auf die Menschenrechte) zu werfen.

Die Qualität des Leders muss stimmen 🙁 Ähnlich wie beim Pelz bzw. Fellkrägen, sind lediglich der Bauch und Rücken einer Kuh „interessant“. Kopf, Füße und Schwanz von Kühen (oder Hunden, Füchsen, Nerzen im Falle von Pelz/ Fellkragen) sind nicht verwendbar.

Am Rumpf darf keinerlei Verletzung stattfinden! Das bedeutet im Umkehrschluss, dass sich die Tiere auf dem Transport zur Tötung nicht hinlegen dürfen. Um dies zu verhindern, werden sie am Schweif angebunden und über die Nasenlöcher. Sie stehen fixiert in den überfüllten Transportern, kommen ohne getränkt zu werden und unter höllischen Schmerzen dort an, wo sie dann getötet werden. 🙁

Der Transport des lebendigen Tieres ist billiger als der des Produkts. Ähnlich mit der Fleischaufzucht/ Transport zu den Schlachthöfen hierzulande. Leder kommt meistens aus Bangladesch. In den meisten Teilen Indiens gelten Kühe als heilig. Daher werden sie nach Bangladesch gebracht. In Earthlings sieht man sogar, wie sie hunderte von Kilometer zu Fuß zurück legen. Selbstverständlich unter Schlägen.

Ihnen wird Chili in die Augen gerieben, weil sie sich nicht mehr bewegen können. Auf grausamste Art und Weise werden sie dann umgebracht.

Es sind Menschen, die diese Arbeit machen. Das Fahren, Anbinden, Treiben, Töten, Weiterverarbeiten. Es sind Tiere, die misshandelt und missbraucht werden. Für Produkte, die es in großer Variation als vegane Alternative gibt!

Warum das Ganze importieren und nicht fair/ bio/ hierzulande herstellen? Wieso ist an meinem Gedankengang aus vegetarischen Zeiten nichts dran? Weswegen ist Leder kein Abfallprodukt aus Schlachthöfen?

Ein Grund ist die Haut, die in Schlachthöfen hierzulande eben oftmals verletzt wird, beziehungsweise schon vorher beim Transport. Du kennst bestimmt genug traurige Bilder von Kühen aus Tiertransportern? Außerdem ist der Import aus der billigen Herstellung wesentlich günstiger, als wenn man Leder in Europa herstellen würde.

Und wir sind hier wieder beim Thema Angebot und Nachfrage. Es ist so! Überleg dir einfach mal im Schuhsektor wie teuer sie sind. Das können sich nicht alle Menschen leisten. Mal davon abgesehen, dass es auch bei 200€-Schuhen keine Garantie in Bezug auf die Herstellung gibt!!!

Du merkst vielleicht: Mich regt das auf. Sehr. Auf. Weil es für mich nicht greifbar ist, dass Augen bewusst verschlossen werden. Ich steh dazu: Mich macht das kirre. Gleichzeitig habe ich aber Verständnis, denn ich hab das alles auch 28 Jahre lang nicht hinterfragt. Doch seit dem ich es weiß, hab ich keinen Cent mehr für diese Qual ausgegeben. Und ja, Qual. Punkt.

Die Yogalehrerin in mir verweist an dieser Stelle sehr gerne auf Werte wie maitrī (Liebe, Freundschaft), karuṇā (Mitgefühl, Mitempfinden) und ahiṃsā (Gewaltlosigkeit). Letzten Endes ist und bleibt Leder von Tieren ein gewaltvolles Produkt. Punkt.

Weiterhin übe ich mich in upekṣā (Gleichmut), gegenüber allen Menschen die Leder kaufen. Klappt nicht wirklich 🙂 Aber ich bleibe dran! Üben, üben, üben, …

Was kannst du ab jetzt aktiv, gegen die Ausbeutung von Tieren, Menschen und Umwelt tun? Dafür gibt es eine sehr einfache Lösung: Du bist Konsument*in, du entscheidest aktiv über Nachfrage und Angebot. Es liegt wirklich bei dir, ob du weiterhin zu dem oben beschrieben stehst, oder dich anders entscheidest. Gegen Leder. Für die Rechte von anderen Lebewesen!

Meine Idee dazu: Erlaube dir selbst dich, um Tier- und Menschenrechte, zu kümmern und denk beim nächsten Öffnen deines Geldbeutels vielleicht genau da dran 🙂

Sonnengrüße durch den Winterhimmel – und bleibt bitte gesund und munter!

Deine Claudi

Von veganlebenyoga

Ich bin Mentorin für veganes Leben und Yogalehrerin BDY/EYU mit jeweils über zehn Jahren Übungs-Erfahrung. In Telefonaten oder Videocalls stehe ich dir bezüglich des Veganismus mit Rat, Tat und Herz zur Seite. Yoga-Privatstunden üben wir gemeinsam online. Schick mir gerne eine E-Mail, wenn du VEGAN oder YOGA mehr Platz in deinem LEBEN geben möchtest!

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