Kategorien
Vegan

Alles was ich dir über Kuhmilch erklären kann

Hallo und Namaste du Liebe*r,

aus aktuellem Anlass will ich eins der Themen, aus dem riesengroßen Bereich des Veganismus, aufgreifen, welches mir wirklich sehr sehr sehr ans Herz geht.

Heute teile ich alles, was ich dir über Kuhmilch erklären kann, mit dir!

Vorweg möchte ich zugeben, dass es tatsächlich Bauern gibt, die sich um das Wohl ihrer Tiere sorgen. Die wirklich schauen, dass die Kälbchen bei den Mamas bleiben. Die darauf achten, dass die Kühe Gras futtern und Sonnenlicht tanken können. Die es ihren Kühen ermöglichen, dass sie die 13 Kilometer, welche eine Kuh meines Wissens nach am Tag zurück legen möchte, gehen können. Die ihre Tiere und deren Unterkünfte hegen und pflegen. Die sie ihnen Namen geben und sie wertschätzen. Dennoch landen sie alle früher oder später auf dem Schlachthof. Aber das ist wohl das was die Allgemeinheit gern als „gute Haltung“ bezeichnet.

Jetzt kommt aber die Krux bei der Sache: Wenn man nun aber bedenkt, dass der Biokonsum allgemein lediglich 2% ausmacht. Und man weiter spinnt, dass von diesen 2% nicht alle Kühe wie ich eben beschrieben haben umsorgt werden. Dann schaut die Realität leider ganz anders aus. Und zwar, in meinen Augen, sehr traurig.

Da ich selbst erst mit 28 Jahren gelernt habe, dass eine Kuh nicht immer Milch gibt, möchte ich hier in meinen Worten mein Wissen über Kuhmilch mit dir teilen. Auch ich bin mit dem vermeintlichen Wissen, wie wichtig und gesund Kuhmilch sei, aufgewachsen. Doch nun ist es an der Zeit, dass wir Dinge verändern und hin- statt wegschauen.

Es folgt die Geschichte, wie sie ca. 98% der Kühe in Deutschland betrifft. Tag für Tag. Stunde für Stunde. Sie wird hinter verschlossenen Türen geschrieben, weit abseits von Städten, manchmal vielleicht in Dörfern. Aber meistens weit draußen, auf dem Land.

Triggerwarnung: Es wird nicht schön, um alles über die Herstellung von Milch wirklich zu erklären, muss ich leider mit Wörtern Bilder malen, die schmerzen, verletzen und weh tun 🙁 Doch ist das kein Vergleich dazu, was eine Kuh mitmacht, denke ich 🙁

Kühe sind etwa genau so lang schwanger wie Frauen, 10 Monate. Über diese Zeit bauen sie, wie Frauen, eine tiefe Verbindung zu ihrem noch ungeborenem Baby auf. Ihr Hormonhaushalt stellt sich genauso um, wie er es bei Frauen tut. Der Körper bereitet sich auf die Geburt und das Stillen vor.

Dann kommt der große Tag und das Kuhbaby erblickt die Welt! Ab diesem Moment gibt die Kuh ihre Milch, denn der kleine Fratz soll ja binnen einiger Monate 300 Kilo zulegen. Die Milch der Kuh ist also für ihr Kälbchen gedacht, damit es schnell zu Kräften kommt.

Nun funkt der Mensch dazwischen. Der Kuhmama wird ihr Baby weggenommen. Wenn du schon mal an einem Kuhstall vorbei gegangen bist und entweder ein Kälbchen oder eine Kuh hast erbärmlich und lang anhaltend schreien hören, dann ist es deswegen. Das geht tage- und nächtelang so.

Kühe können weinen, empfinden Schmerzen, Leid und Trauer. Das was eine Frau empfinden würde, wenn ihr das frisch geborene Baby kurz nach dessen Geburt weggenommen werden würde. Ich bin selbst keine Mama. Aber diese Gefühle in Worte zu fassen ist meiner Meinung nach ein Ding der Unmöglichkeit.

Zurück zur Mamakuh: Diese wird ab sofort gemolken und die Milch, die für ihr Kind gedacht war, wandert vom Bauernhof zur Molkerei und wird zu Käse, Milch, Butter, Joghurt, … verarbeitet. Ich finde es so traurig, dass Tierrechte sich in den letzten 100 Jahren immer schlechter bzw. weniger werden. Wenn ich das damit vergleiche, wie viel in der gleichen Zeit aus frauenrechtlicher Sicht passiert ist, dann ist das wirklich eine Schande. Oder ist es noch immer nicht an der Zeit, die wahren Rechte von so genannten Nutztieren in den Mittelpunkt zu stellen? Ich finde das durchaus, denn was diesbezüglich hinter verschlossenen Stalltüren passiert ist, um es auf den Punkt zu bringen, in meinen Augen grauenvoll.

Gesundheitlich betrachtet ist das eine Farce. Wie schon erwähnt: Es handelt sich um ein Produkt, welches Kälber schnell wachsen und entwickeln lassen soll. Dazu kommt, dass Kuhmilch eine relativ hohe Menge an Jod enthält, worüber viel zu wenig Menschen sprechen oder nachdenken. Das ist für gesunde Menschen unbedenklich. Für alle mit Schilddrüsen-Thematiken aber ein dicker und fetter Minuspunkt bezüglich aller Kuhmilch-Produkte. Warum? Die Euter werden mit Jod eingerieben, da sie sich sonst entzünden! Diese Jod landet dann in der Kuhmilch. Zusammen (es wird eklig) mit Eiter und Blut (wegen der entzündeten Euter) und den Hormonen die eine Kuh kurz nach der Geburt abgibt. Jetzt geht es aber noch weiter!

Die besagte Kuh soll ja dauerhaft Milch geben. Wobei dauerhaft relativ ist. Denn mehr als vier oder fünf Kinder kann keine Kuhmama zur Welt bringen, ohne, dass ihre s. g. Milchleistung nachlässt. Außerdem sind sie körperlich dann brutalst ausgelaugt. Ab dem Moment ist sie für den Bauern uninteressant und wird verkauft/ getötet. Jedenfalls muss eine Kuh schnell wieder schwanger werden, um weiterhin rentabel zu bleiben.

Neben der Jod und Wachstums Problematik, tut sich nun also noch ein hormoneller Irrsinn auf. Denn letzten Endes sind in Kuhmilch nicht „nur“ die Hormone enthalten, welche stillende Wesen abgeben – sondern zusätzlich auch Schwangerschaftshormone.

Spätestens jetzt könnte jeder Mann darüber nachdenken, ob er diesen Cocktail wirklich zu sich nehmen möchte?

Aber weg vom Aspekt der Gesundheit des Menschen und hin zu dem der Kuh: Die hat Schmerzen, denn das Abpumpen tut höllisch weh. Doch dann beginnt der nächste psychische Wahnsinn, denn, wie schon erwähnt: Nur ein paar Wochen nach der Geburt wird sie erneut künstlich befruchtet.

Dieser Horror wiederholt sich eben vier, vielleicht fünf Mal. Kühe werden eigentlich bis zu 20 Jahre alt. Und mit ihrer ersten künstlichen Besamung sind sie ca. ein Jahr alt und somit mit einem ca. 12-jährigen Mädchen zu vergleichen. Am Ende ihres Lebens sind sie also gerade mal erwachsen und landen auf dem Schlachthof.

Die Babys, welche Kühe bis dahin zur Welt gebracht haben, landen dort teilweise ebenfalls. Ihre Söhne werden meistens gemästet und für Kalbsfleisch noch als Kinder getötet. Ihren Töchtern steht das gleiche Leid wie ihnen selbst bevor.

Sie werden übrigens nicht mit der Milch ihrer Mamas großgezogen. Auch nicht mit Heu oder Gras, wie man sich das halt so vorstellt. Die meisten Kühe und Kuhkinder werden mit Getreide, Mais und Soja gefüttert, um ein schnellstmögliches Wachstum bzw. eine größtmögliche Milchquote zu erreichen. Eine Kuh ist 64 bis 68 Kilo Getreide und trinkt mehr als 115 bis 150 Liter Wasser am Tag! Dazu gibt es Supplemente wie beispielsweise Vitamin D und Vitamin B12, ohne Bioqualität auch Antibiotika etc.. Deswegen enthalten Kuhmilch-Produkte übrigens das, was Veganer*innen als Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. Das ist übrigens auch der Grund, weswegen der Regenwald abgeholzt wird. Für Soja in Bioprodukten diverser namhafter Hersteller wird auf das aus der EU (Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien um genau zu sein) zurück gegriffen. Es ist also ein dämliches Vorurteil, dass der Veganismus für die Abholzung des Regenwaldes verantwortlich sei.

Ich denk mir bei all der Qual: „Da geh ich doch lieber den direkten Weg, nehme Sojamilch, Hafermilch und Vitamin D oder B12 zu mir. Ohne den Umweg über die Kuh!!!“

Von all dem Abgesehen ist Kuhmilch bzw. Kuhhaltung einer der Umweltkiller schlechthin. Das ist nicht ganz mein Thema, ich könnte dennoch mit Zahlen wild um mich schmeißen, verweise an dieser Stelle aber viel lieber auf die Dokumentation „Cowspiracy“, falls du in diesen Bereich tiefer einsteigen magst. In dieser Doku habe ich beispielsweise gelernt, dass für die Herstellung eines Liters Kuhmilch, ganze 1.000 Liter Wasser benötigt werden.

Um den ganzen noch eins draufzusetzen:

Stell dir bitte „einfach“ mal die Frage, ob du das Folgende selbst machen könnest?

  • Eine Kuh künstlich besamen.
  • Ein Kälbchen zur Welt bringen und es kurz darauf seiner Mama wegnehmen.
  • Die Schreie ertragen, die zwischen Kuhkind und Kuhmama ausgetauscht werden.
  • Kälbchen künstlich füttern.
  • Kühen Supplemente verabreichen.
  • Kühe zum Schlachthof fahren.
  • Kuhkinder zum Schlachthof fahren.
  • Kühe töten.
  • Kuhkinder töten.
  • Kühen keine Weide ermöglichen.
  • Die getöteten Tiere weiterverarbeiten.

Nein? Das liegt dann daran, dass neben gesundheitlichen, tierrechtlichen und umweltbedingten Gründen für mich auch noch die Menschenrechte einen hohen Stellenwert einnehmen. Denn bedenke: Die Kuhmilch kommt nicht einfach so in den Tetra-Pak.

Die Yogalehrerin in mir verweist an dieser Stelle dann gerne auf Werte wie maitrī (Liebe, Freundschaft), karuṇā (Mitgefühl, Mitempfinden) und ahiṃsā (Gewaltlosigkeit). Letzten Endes ist und bleibt Milch von Tieren ein gewaltvolles Produkt. Denn keine Mama wird die Milch die für ihr Kind bestimmt ist, freiwillig hergeben.

Dass Yogi*nis nicht alle vegan essen bzw. leben ist mir ja immer und immer wieder ein Rätsel. Ich übe mich hier in upekṣā (Gleichmut).

Wichtig ist bei allen Gedanken zum Thema Kuhmilch:
Du brauchst ja nicht gleich alle Produkte umstellen? Wenn du Käse liebst, dann esse ihn doch weiterhin. Aber stelle vielleicht den Joghurt auf Soja und die Milch auf Hafer um? Beginne mit dem Schritt, der dir am leichtesten fällt!

Im nächsten Blogeintrag widmen wir beide uns einem schöneren Thema – den Alternativen zu Kuhmilch 🙂 Die sind zum Glück in Hülle und Fülle vorhanden und vor allem mittlerweile wirklich überall erhältlich.

Meine Idee dazu: Erlaube dir selbst dich, um Tier- und Menschenrechte, zu kümmern und denk beim nächsten Öffnen deines Geldbeutels vielleicht genau da dran 🙂

In diesem Sinne:

Sonnengrüße durch den Winterhimmel – und bleibt bitte gesund und munter!

Deine Claudi

Von veganlebenyoga

Ich bin Mentorin für veganes Leben und Yogalehrerin BDY/EYU mit jeweils über zehn Jahren Erfahrung. In Telefonaten oder Videocalls stehe ich dir bezüglich des Veganismus mit Rat, Tat und Herz zur Seite. Yoga-Privatstunden üben wir gemeinsam online. Ich freu mich auf deinen Anruf oder deine E-Mail.

2 Antworten auf „Alles was ich dir über Kuhmilch erklären kann“

Liebe Claudi
Vielen Dank für diesen informativen Blogbeitrag.
Ich lebe zwar selber schon länger vegan und bin mir der Problematik der Kuhmilch leider nur allzu bewusst, trotzdem finde ich es super, dass du dein Wissen mit uns teilst und dass ohne andere anzugreifen oder als „schlechte Menschen“ hinzustellen.
Ich finde es auch wichtig, dass man erwähnt, dass Kühe nur Milch geben, wenn sie dafür ein Kälbchen bekommen, da das vielen Menschen immer noch nicht bewusst zu sein scheint.
Ausserdem finde ich den Aspekt mit den Menschenrechten sehr interessant. Ich wurde aus tierethischen Gründen vegan und habe das erste Mal in einer Podcastfolge von dir den Denkansatz gehört, dass vegan leben auch viel mit den Menschenrechten zu tun hat. Da diese mir sehr am Herzen liegen und ich auch denke, dass viele Menschen besser Empathie für Menschen als für Tiere empfinden können, finde ich das einen sehr spannenden und wichtigen Ansatz.
Vielen Dank dafür und auch für deine sonstige grossartige Arbeit!

Ich wünsche dir einen schönen Abend,
Lia

Liebe Lia,

vielen Dank für deinen wertvollen Kommentar und die Zeit, das Teilen deiner Gedanken und die du dafür investierst hast.
Ich hatte tatsächlich einige Bedenken, bevor ich den Blogeintrag veröffentlicht habe. Obwohl ich bewusst sehr darauf geachtet habe, keine Vorwürfe zu machen oder gar jemand aktiv anzugreifen… Dennoch weiß ich nie, wie es bei den Leser*innen ankommt. Umso mehr freue ich mich, über deine lieben Worte. Danke sehr!
Außerdem freut es mich, dass ich dir den Menschenrechts-Aspekt mit an die Hand geben konnte. Wir Veganer*innen brauchen einfach immer und immer zu neue/ andere Gedankengänge. Daher ist es mir auch so wichtig, dass wir Hand in Hand für die Tiere unterwegs sind.

Danke für dein liebes Lob bezüglich meiner Arbeit – ich weiß es sehr zu schätzen!

Sonnengrüße von Herzen durch die Winternacht und bleib gesund und munter,
Claudi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.